Warum verwendet Radkutsche eigentlich immer noch Frontmotoren?

Warum verwendet Radkutsche eigentlich immer noch Frontmotoren?

Meine erste Antwort war und ist nach 15 Jahren Fahrradbau stets: es gibt keine Alternative für Lastenräder. Unser Standort ist nur wenige Kilometer von der Entwicklungszentrale von Bosch entfernt und wir werden oft nach Mittelmotoren gefragt. Eines vorweg, dieser Text soll nicht sagen, dass Nabenmotoren grundsätzlich besser sind, er soll nur die Debatte etwas ausbalancieren und die Vorteile der Vorderradmotoren benennen, die wir in der öffentlichen Diskussion im Moment vermissen.

 

Beginnen wir also mit den Vorteilen von Vorderradmotoren, die euch bei der Entscheidung für das richtige Lastenrad bzw. Motorenkonzept helfen soll.

 

  1. Unabhängiger Antrieb

Dieser Punkt wird oft übersehen, aber die wichtigste Eigenschaft eines elektrischen Hilfsantriebes ist seine Zuverlässigkeit, besonders deutlich wird das dann, wenn man mit Zuladung ohne Motore „stehen“ bleibt. Egal ob die Kette gerissen, der Umwerfer eigenklemmt oder die Schaltung eingefroren ist, der Vorderradmotor arbeitet unabhängig und kann einen auch bei einem Ausfall des manuellen Antriebs nach Hause fahren. Bei einem Mittelmotor fällt das ganze System aus und im dann besten Fall kann man noch nach Hause schieben.

 

  1. Das führt direkt zum zweiten Punkt: weniger Belastung auf die Verschleißteile. Ein Nabenmotor im Vorderrad nimmt die Kraft vom manuellen Antriebsstrang. Ein Mittelmotor tut das Gegenteil. Natürlich ist bei Kurierfahrern, die 25.000 Kilometer im Jahr fahren, ein Ketten- und Kettenblattwechsel alle 4 Wochen besonders nervig und spürbar, aber auch für den privaten Nutzer ist das ein hoher und teurer Verschleiß. Dazu kommt, dass Schaltungen für die menschliche Kraft ausgelegt sind und nun ein deutlich höheres Drehmoment und eine viermal so hohe Dauerbelastung aushalten müssen.

 

  1. Eine der größten Innovationen der Fahrradindustrie der letzten Jahre sind interne Nabenschaltungen. Rohloff mit einer Gesamtübersetzung von 519% oder die stufenlos verstellbare Enviolo Schaltung haben nicht nur durch die geringen Wartungsintervalle das Schalten revolutioniert. Durch das Einsetzen eines Frontmotors kann fast jede Schaltung in den hinteren Kettenstrang eingebaut werden und die Trennung von menschlichem und elektrischem Antrieb schont die Nabe nicht nur durch ein geringeres Startdrehmoment sondern die Lebensdauer insgesamt wird deutlich erhöht.

 

  1. Damit ein Mittelmotor gut funktioniert, muss der Fahrer viel und richtig schalten, auch wenn er oder sie beschleunigt oder langsamer wird. Um dies ordnungsgemäß und verschleißarm zu tun, muss im richtigen Moment die Motorkraft weggenommen werden. Es gibt zwar Schaltsensoren, die Kraft wird aber auch dann deutlich reduziert werden müssen. Besonders ärgerlich ist es, wenn man mit einem Mittelmotor zum Beispiel am Berg vergessen hat zu schalten und man dann wieder losfahren möchte. Unser Nabenmotor beschleunigt das Rad auch dank seiner starken Anfahrhilfe mühelos.

 

  1. Die Spitzenleistung beim Mittelmotor wird durch die Kette beschränkt oder zumindest muss die höhere Leistung mit einem extrem hohen Verschleiß bezahlt werden. Ein Nabenmotor mit einer ordnungsgemäß angebrachten Drehmomentstütze hat keine solche Einschränkung.

 

  1. Die Lebensdauer der Motoren ist aus unserer Erfahrung ungefähr 4x so hoch wie bei einem Mittelmotor. Manche Nabenmotoren, die als Direktläufer konzipiert sind, haben das Problem, dass sie bei schweren Lasten oder bei sehr langsamer Fahrt immer heißer werden. Neuere Steuerungen reduzieren dann die Motorleistung, was dann aber zu noch langsamer Geschwindigkeit führt und dadurch zum Defekt durch Überhitzung führen kann. Durch den Einsatz eines 5:1 Planetengetriebes kann unser Laufrad 5x langsamer laufen als ein Direktläufer, Er kompensiert so die Schwierigkeiten, die vor allem Direktläufer beim Anfahren haben. Zudem werden auch Stromspitzen reduziert.

 

  1. Ein Radnabenmotor schafft in unserem Lastendreirad Musketier einen fast unschlagbaren Wendekreis. Mit Hilfe der Anfahrhilfe, kann bei komplett eingeschlagenem Lenker quasi auf der Stelle gewendet werden. Ein Mittelmotor oder Heckmotor kann das nicht.

 

  1. Der letzte und für mich wichtigste Punkt ist aber der Vorteil ein kleines Rad anzutreiben. Der 20“ Motor im Rapid bekommt, verglichen mit einem Hinterradmotor in 26“ bei gleichem Motordrehmoment, deutlich mehr Kraft auf die Straße wirkt. Das führt dazu, dass selbst ein voll beladenes Rapid ein normales Pedelec überholen kann.

M=F/r (M= Drehmoment in Nm, r= Hebelarm in Metern = halber Laufraddurchmesser, F= Kraft in Newton)

Wir hoffen, dass dieser kurze Text mehr Informationen darüber gibt, warum wir mit unseren Nabenmotoren so zufrieden sind. Für Rück- und Detailfragen stehe wir euch gerne unter 07473-5020777 zur Verfügung.

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